Tollhaus III

Veröffentlicht am 1. Februar 2010

Kolumne von Uta Zapf für die Toplum-Ausgabe Februar 2010


Wer immer sich für Toleranz und friedliches Zusammenleben einsetzt, kann manche Dinge, die in der Welt passieren, beim besten Willen nicht verstehen.

Warum zum Beispiel versucht ein diplomatisch geschulter stellvertretender Außenminister von Israel den türkischen Botschafter zu demütigen, indem er ihn bei seinem Gesprächsbesuch auf ein niedriges Sofa platziert und selber auf einem hohen Stuhl thront? Er blickt im wahrsten Sinne von oben auf ihn hinab und zeigt Missachtung pur. Israel und die Türkei waren gute Partner, haben in einigen Bereichen eng zusammengearbeitet. Ich fühle mich an den Charly Chaplin-Film „Der große Diktator“ erinnert, wo Hitler Mussolini auf eben diese Art demütigen will. Im Film ist das komisch, im richtigen Leben gar nicht!

Wie im Tollhaus hat sich Thilo Sarrazin (leider SPD) aufgeführt. In einem viel kritisierten Interview hat er Türken und Araber in unerträglicher, rassistischer Weise herabgesetzt. Als „weder integrationswillig noch integrationsfähig“ hat er diese Menschen bezeichnet. Nun soll Sarrazin aus der Partei ausgeschlossen werden. Das ist gut. Rassistische Äußerungen gehören nicht ins Vokabular von Sozialdemokraten – Herr Sarrazin war immerhin früher Finanzsenator in Berlin. Ein Gutachten analysiert Sarrazins Forderungen, z.B. bestimmte Migranten langfristig von allen Sozialleistungen auszuschließen, als Aussagen, „die sonst nur von antidemokratischen, rechtsextremen Parteien erhoben werden.“ Rechtsextremismus in der SPD – Nein Danke!

Was für ein Teufel aber reitet die Liberalen im schönen hessischen Langen? Rühmt sich die FDP doch, tolerant zu sein und Bürgerrechte zu verteidigen. Wie kann der Schatzmeister der FDP (und Student der Rechtswissenschaften!) platt behaupten, die Langener Moschee Ulu Cami sei eines der wichtigsten Zentren gewaltbereiter Islamisten? War Herr Dumanovic jemals in der Moschee, hat er jemals mit den Leuten vom Moschee-Verein gesprochen? Die Tatsache, dass Kadir T., der Unterstützer der Sauerlandgruppe, aus Langen kommt, lässt keine Rückschlüsse auf die Moschee Ulu Cami zu. Kadir T. wurde religiös von seinem Onkel unterrichtet – in dessen Gartenhäuschen! Laut Presse auch kein Hassprediger, sondern ein gläubiger Muslim.

Herr Dumanovic zündelt. Er zündelt wie Sarrazin – nur in der FDP widerspricht leider keiner!

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