Kolumne von Uta Zapf für die Toplum-Ausgabe März 2012
Die schrecklichen Erkenntnisse über die zehn grausamen, rassistischen Morde der Neonazigruppe und das beschämende Versagen der Ermittlungsbehörden haben uns erschüttert. Es wird einen Untersuchungsausschuss im Bundestag geben, ebenso im Thüringer Landtag, dazu eine von der Regierung bestellte Sonderkommission.
Und es gab eine Gedenkstunde, in der die Kanzlerin die Hinterbliebenen der Opfer um Verzeihung bat. Diese Gedenkstunde war würdig und angemessen – und sie darf nicht genauso schnell vergessen werden, wie allzu viele fremdenfeindliche Vorfälle und Verbrechen, die in der jüngsten Vergangenheit in Deutschland geschehen sind.
Hoyerswerda, wo Ausländer von einem johlenden Mob aus der Stadt gejagt wurden.
Mölln, wo bei einem Brandanschlag von Neonazis zwei türkische Mädchen und ihre Großmutter verbrannten.
Rostock, noch heute eine Neonazi-Hochburg, wo anlässlich des Gedenkens an eines der Opfer der Neonazis Rechtsradikale die Polizei angriffen, erlebte 1992 tagelange massive Ausschreitungen gegen Asylbewerber mit Brandstiftung, bei der nur aus Zufall (und Glück) keine Todesopfer zu beklagen waren.
Solingen, wo die türkische Familie Genc wohnte und in den Flammen fünf Frauen starben.
Es gibt noch viele Beispiele von Verbrechen an Ausländern, Asylbewerbern und Zuwanderern. Die Zahl der Straftaten aus der rechtsextremen Ecke hat zugenommen.
Es ist also höchste Zeit, dass wir mit dem Aufstand der Aufrechten gegen Rechts, gegen Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung von Menschen aus anderen Kulturen Ernst machen.
Die Politik ist in der Verantwortung. Kein Innenminister soll mehr sagen: “Das Boot ist voll”, “Deutschland ist kein Einwanderungsland”. Keine Debatte um Leitkultur mehr, keine Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft mehr!
Stattdessen: Bunt statt Braun! Respekt gegenüber anderen Kulturen, Anerkennung – aber bitte nicht herablassende Toleranz!




