Kolumne von Uta Zapf für die Toplum-Ausgabe Mai 2012

Unter Premierminister Erbekan zwang der damalige Nationale Sicherheitsrat die Regierung zu einer Schulreform, die die Primärbildung von fünf auf acht Jahre ausdehnte, dabei die Junior High Schools inklusive der Predigerschulen eliminierte und private Predigerausbildung und Korankurse unter Überwachung stellte. Die Trennung von Religion und Staat nach kemalistischer Auffassung sollte damit gewährleistet werden.

Jetzt hat die große Türkische Nationalversammlung ein neues Erziehungsgesetz verabschiedet, das die Religion an die Schulen zurückbringen soll. Laut Berichten wird der Vorschulunterricht (also Kindertagesstätten?) abgeschafft. Ab fünf Jahren beginnt die vierjährige Grundschule, gefolgt von einer vierjährigen Junior High School. Hier sollen sich die Schüler und Schülerinnen bereits für Zweige mit berufsbildenden Inhalt entscheiden können. Unter anderem auch für eine Predigerausbildung. Auf der Oberschule wird diese Ausrichtung fortgesetzt, je nach Berufswunsch. Dann können die Studierenden einen Wahlkurs „Koran und das Leben Mohammeds“ wählen.

Bei der Abstimmung zu diesem Gesetz kam es zu tumultartigen Szenen im Parlament. Die Opposition – also vor allem die CHP – fürchtet, dass mit dieser Reform die säkulare Basis der türkischen Gesellschaft zerstört wird.

Fair wäre es, wenn auch anderen Religionsgemeinschaften schulischer Unterricht gewährt würde – so wie Muslime im christlichen Abendland dies mit Recht einfordern. Die Trennung der Predigerausbildung von der Schulausbildung ist eine wichtige Forderung – diese gehört an die Universitäten.

Wenn Schulausbildung mit fünf Jahren beginnt und Schule schon mit 13 endet, ist dies ein Rückschritt im Bildungssystem – mehr gute Bildung ist das Erfordernis in der modernen Gesellschaft. Zwar endet die Schulpflicht erst mit 16 Jahren, was man in den verbleibenden drei Jahren macht, bleibt jedem selbst überlassen.

Besonders skurril – Schulpflicht soll auch als Fernunterricht absolviert werden können. Werden Mädchen also in Zukunft von zu Hause aus lernen? Grotesk, wo gerade vor einigen Jahren Erdogan die bessere Bildung für Mädchen propagiert hat und dafür sogar mobilen Schulunterricht für ländliche Gegenden finanziert hat.

Ist die Folge mehr Religion und weniger Bildung? Keine gute Perspektive für eine moderne Türkei!

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